Metallica M72 World Tour in Frankfurt: Warum der Sound im Stadion trotz High-End-Beschallung nicht überall überzeugen konnte
Am 22. Mai 2026 war es endlich soweit: Metallica live im Deutsche Bank Park Frankfurt.
Für mich persönlich war das ein besonderer Moment. Nicht nur als langjähriger Fan, sondern auch aus beruflicher Sicht. Als Toningenieur, Medientechniker und Betreiber eines Tonstudios beschäftige ich mich seit über zehn Jahren täglich mit Klang, Sprachverständlichkeit, Raumakustik, Lautsprechersystemen und Audiobearbeitung.
Natürlich bewegen wir uns bei einer Metallica-Produktion in einer vollkommen anderen Größenordnung als bei Studio-, Konferenz- oder klassischen Beschallungsprojekten. Dennoch bleiben die physikalischen Grundlagen identisch. Schall verhält sich unabhängig vom Budget immer nach denselben Gesetzen.
Und genau deshalb war dieses Konzert für mich nicht nur musikalisch interessant, sondern auch technisch äußerst spannend.
Metallica live in Frankfurt: Eine beeindruckende Produktion auf Weltklasse-Niveau
Eines vorweg:
Metallica war großartig.
James Hetfield, Lars Ulrich, Kirk Hammett und Robert Trujillo lieferten genau die Energie, die man von einer Band dieses Kalibers erwartet. Die Atmosphäre im Stadion war gewaltig und spätestens nach den ersten Songs war klar, warum Metallica seit Jahrzehnten zu den größten Live-Bands der Welt gehören.
Die gesamte M72 World Tour gehört aktuell zu den technisch aufwendigsten Konzertproduktionen weltweit. Das Konzept basiert auf einer zentralen 360-Grad-Bühne, die sich mitten im Stadion befindet. Rund um die Bühne stehen acht massive Türme, welche gleichzeitig die Beschallung, Lichttechnik, LED-Systeme und weitere Produktionstechnik tragen.
Allein das eingesetzte Beschallungssystem umfasst mehrere hundert Lautsprecher des Meyer Sound PANTHER Systems und gehört zu den größten Touring-Audiosystemen der Welt.
LED-Walls, Kameratechnik und Spezialeffekte auf höchstem Niveau
Besonders beeindruckend war die medientechnische Umsetzung.
An den acht Oktagon-Türmen waren großflächige LED-Walls montiert, die wie überdimensionale digitale Litfaßsäulen wirkten und aus nahezu jedem Stadionbereich eine gute Sicht auf die Band ermöglichten.
Zusätzlich kamen mehrere Kamerasysteme zum Einsatz.
Besonders auffällig waren zwei bewegliche Kameras, die an Drahtseilsystemen über dem Publikum bewegt wurden. Diese erzeugten spektakuläre Perspektiven und sorgten dafür, dass die Live-Bilder deutlich dynamischer wirkten als bei klassischen Konzertproduktionen.
Ergänzt wurde das System durch mehrere fest installierte Kameras, welche die Musiker aus unterschiedlichen Blickwinkeln einfingen.
Auch die Pyrotechnik war hervorragend abgestimmt. Die Flammen- und Feuereffekte wirkten nicht überladen, sondern unterstützten die Dynamik der Songs genau an den richtigen Stellen.
Aus Sicht eines Medientechnikers war die gesamte Showproduktion beeindruckend umgesetzt.
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Mehr InformationenFOH-Mix oder Systemproblem? Ein wichtiger Unterschied
Viele Konzertbesucher werfen automatisch alles in einen Topf.
Klingt etwas nicht gut, heißt es sofort: „Der Toningenieur hat schlecht gemischt.“
Aus meiner Sicht wäre das bei einer Produktion dieser Größenordnung jedoch eine viel zu einfache Erklärung.
Metallica arbeitet seit vielen Jahren mit erfahrenen Audio- und Systemingenieuren. Die M72 Tour gilt aktuell als eine der aufwendigsten Touring-Produktionen weltweit. Das Audiosystem wurde speziell für diese 360-Grad-Produktion entwickelt.
Nach über zehn Jahren Studioarbeit habe ich gelernt, einen schlechten Mix von akustischen Problemen unterscheiden zu können.
In Frankfurt hatte ich nicht das Gefühl, einen schlechten Mix zu hören.
Vielmehr hatte ich den Eindruck, an einer Position zu sitzen, an der die akustischen Rahmenbedingungen nicht das volle Potenzial des eigentlichen Mixes transportieren konnten.
Die Herausforderung einer 360-Grad-Beschallung im Stadion
Genau hier wird die M72 Tour technisch interessant.
Metallica verfolgt mit der Tour das Ziel, jedem Zuschauer ein möglichst gleichwertiges Klangerlebnis zu bieten. Dafür setzt die Produktion auf ein komplexes Beschallungssystem mit mehreren konzentrischen Lautsprecherringen rund um die Bühne.
Laut Meyer Sound kommen auf der Tour insgesamt über 500 Lautsprecher zum Einsatz. Die äußeren Arrays hängen an den acht großen Türmen rund um die Bühne, während zusätzliche Systeme den inneren Bereich versorgen.
Die Zielsetzung ist dabei enorm ambitioniert:
Ein möglichst gleichmäßiger Stereo-Sound für jeden Sitzplatz im Stadion.
Genau hier beginnt jedoch die physikalische Herausforderung.
Waren die Line-Arrays möglicherweise zu hoch geflogen?
Natürlich kann niemand ohne Messungen und Systemdaten eine seriöse technische Diagnose stellen.
Trotzdem entstand bei mir über weite Strecken des Konzerts ein Eindruck, den ich als Medientechniker nicht ignorieren kann.
Sowohl die inneren als auch die äußeren Line-Arrays wirkten von unserem Sitzplatz aus sehr hoch positioniert.
Möglicherweise war genau das ein Teil des Problems.
Der Direktschall der Anlage erschien an unserem Platz vergleichsweise schwach ausgeprägt. Stattdessen entstand häufig ein diffuseres Klangbild, bei dem Reflexionen und Raumanteile stärker wahrnehmbar wirkten als erwartet.
Gerade die Stimme von James Hetfield verlor dadurch teilweise an Präsenz.
Physikalisch wäre das durchaus nachvollziehbar.
Line-Arrays arbeiten gezielt mit kontrollierten vertikalen Abstrahlwinkeln, um Schall möglichst effizient in die Publikumsflächen zu projizieren. Werden Lautsprechersysteme sehr hoch geflogen oder treffen Schallfelder verschiedener Arrays aufeinander, können je nach Sitzposition unterschiedliche Effekte entstehen:
- Veränderungen im Frequenzgang
- Schwankende Sprachverständlichkeit
- Überbetonte Höhen
- Wahrgenommene Verschiebungen der Klangbalance
- Unterschiedliche Direktschallanteile
Gerade in einem Stadion mit reflektierenden Flächen und einer zentralen Rundumbühne kann dies von Sitzplatz zu Sitzplatz deutlich variieren.
Fazit: Metallica waren großartig – die Akustik an unserem Platz nicht
Würde ich das Konzert wieder besuchen?
Sofort.
Die Band war überragend.
Die Medientechnik war beeindruckend.
Die Kameraführung, die LED-Systeme, die Pyrotechnik und die gesamte Inszenierung bewegten sich auf absolutem Weltklasse-Niveau.
Beim Sound blieb für mich jedoch ein gemischter Eindruck zurück.
Nicht weil ich glaube, dass der FOH-Mix schlecht war.
Sondern weil ich das Gefühl hatte, an einer Position gesessen zu haben, an der die Kombination aus Stadionakustik, 360-Grad-Bühnenkonzept, Lautsprecheranordnung und möglicherweise einem vergleichsweise geringen Direktschallanteil nicht optimal zusammengearbeitet hat.
Vielleicht ist genau das die spannendste Erkenntnis dieses Abends:
Selbst modernste Beschallungssysteme mit hunderten Lautsprechern können die Gesetze der Akustik nicht vollständig außer Kraft setzen.
Und genau deshalb bleiben Produktionen wie die Metallica M72 World Tour für Fans, Toningenieure und Medientechniker gleichermaßen faszinierend.
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